Zweite Irlandreise

Wenn einer eine Reise macht.....

... dann kann er was erzählen.

Einige Begebenheiten konnten trotz intensiver Recherchen nicht mehr bis ins Detail zusammengetragen werden. Aber die Ereignisse an sich haben tatsächlich stattgefunden.

 

 

Nach vielen turbulenten Monaten in der Karriere der Tanzgruppe Celtic Rhythm war es endlich wieder so weit: Es war September 2001 und somit stand die zweite Irland-Tour vor der Tür, die wir wieder mit unserer Stepplehrerin Siobhan Kennedy unternehmen wollten. Das Ziel der Reise in diesem Jahr war Arklow im County Wicklow.

                          

Doch kaum stand fest, wer mitfahren würde, war auch schon der erste Ausfall zu verzeichnen: Sabine P. hat es geschafft, vorher mal eben schwanger zu werden, wurde aber kurzfristig ersetzt durch Volker und Jörg. Dank der guten Vorplanung von Susanne, die finanztechnisch von Astrid unterstützt wurde, war es nun an der Zeit, die Reise vorzubereiten und den Lebensmittel- und Gepäcktransport zu organisieren. Als erstes startete eine Sammlung von Sachspenden in Form von Gläsern, Geschirr, Besteck und Küchentüchern. Michaela und Jürgen erledigten, von den Kunden beim Lebensmitteldiscounter bestaunt und belächelt den Großeinkauf der Lebensmittel, die Thomas und Andy im Auto mit nach Irland nehmen würden. Auch Austin und Sabine McM. erklärten sich bereit, einen Teil der Lebensmittel in ihrem VW-Bus mitzunehmen. Kaum waren diese jedoch verstaut, wurde die  Situation nochmals überdacht. Da Austin für den Hausbau in Irland bereits eine Betonmischmaschine und für deren Transport noch einen Hänger gekauft hatte, beschloss er, lieber nicht direkt nach Arklow zur Ferienwohnung zu fahren, sondern vorher den Hänger bei seinem Vater in Ennis abzustellen. Diese Überlegung hatte jedoch zur Folge, dass die Lebensmittel wieder umgepackt werden mussten, weil ein Teil davon bei unserer Ankunft im Hostel benötigt wurde.

 

Michaela kam dann noch auf die Idee, alle Interessierten für den letzten Abend vor der Abreise zu Pizza und Wein einzuladen. Dies ließen viele sich nicht nehmen und so waren dann Susanne, Jörg,  Andrea D., Andrea S., Stefan, Carola, Verena, Jürgen und ich anwesend, um der Familie D. noch mal alles dreckig zu machen und Thomas und Andy zu verabschieden, die an diesem Abend ihre Reise mit dem Auto starteten. Dort erreichte uns auch von Nicole, die am Tag zuvor nach Schottland geflogen war, die Mitteilung, dass man wegen der Terroranschläge am 11.September kein Handgepäck mehr mit ins Flugzeug nehmen darf. Da im Auto von Thomas noch etwas Platz war, bot er an noch kleineres Gepäck mitzunehmen. Nach kurzer Überlegung entschlossen sich Jürgen und ich, einen Rucksack mit Schuhen und unsere Kameratasche mitzugeben. Und damit nahm das Unglück seinen Lauf!

 

Nachdem Thomas und Andy abgefahren waren, beschlossen alle, sich einen letzten Drink zu genehmigen und dann nach Hause zu fahren. Unterwegs traf mich dann der Schlag: In der Kameratasche befanden sich auch die Pässe und Flugtickets! Dem Erfinder des Mobiltelefons werden wir ewig dankbar sein: Ein Anruf bei Thomas klärte, dass die beiden inzwischen bereits kurz vor Eindhoven waren und nun noch einmal umkehren mussten. Nach einem nächtlichen Abstecher von uns Richtung Holland konnten dann am Checkpoint Nettetal die Reiseunterlagen übergeben werden und Thomas und Andy mussten sich sputen, die Fähre nicht zu verpassen.Am anderen Morgen traf sich die erste Reisegruppe beim IKM, um gemeinsam die Fahrt nach Charleroi zum Flughafen anzutreten. Mit von der Partie waren Stefan, Jürgen H., Andrea Sch., Astrid, Conny, Jürgen und ich sowie Andrea D. und Michaela mit Sebastian, die sich doch prompt verschlafen hatten. Als in den frühen Morgenstunden Gaby in Mülheim auf dem letzten Drücker endlich mit Wäschetrocknen fertig wurde und noch der Koffer zu packen war, wurde sie von Verena überrascht, die (ansonsten immer zu spät) ausgerechnet an diesem hektischen Morgen viel zu früh bei ihr eintraf. Beide wurden dann vom „Zubringerdienst“ Jörg abgeholt und zum IKM chauffiert.


Und dann konnte es endlich los gehen. Auf der Fahrt zum Flughafen wurden wir zunehmend nervöser, denn zu allem Überfluss regnete es in Strömen. Aber der heilige St. Patrick hatte dafür gesorgt, dass wir rechtzeitig ankamen. Das Einchecken als Gruppe gestaltete sich am Flughafen Charleroi wegen der unterschiedlichen Sichtweisen des Flughafenpersonals hinsichtlich  des Handgepäcks als schwierig und dauerte daher 1 Stunde! In Dublin angekommen machte dann die ganze Gruppe auf dem Weg zur Gepäckausgabe unter der zielstrebigen Führung von Conny, die sich glatt verlaufen hatte, versehentlich erst einmal eine ausgiebige Flughafenbesichtigung. Dafür waren aber diesmal im Gegensatz zum Vorjahr alle Gepäckstücke vollzählig vorhanden und warteten schon auf uns. Anschließend nahmen uns Susanne und Carola in Empfang, die ab Düsseldorf geflogen und bereits vor uns angekommen waren. Die beiden berichteten nun ihr Erlebnis: Nach dem Einchecken im Flughafen Düsseldorf stellte Susanne fest, dass ihr Schlüsselbund mit den Auto-, Wohnungs- und Büroschlüsseln fehlte. Sie hatten sich von Susannes Arbeitskollegin Nicole zum Flughafen bringen lassen. Dafür musste zu Hause noch Carolas Gepäck, das über Nacht im Auto verblieben war, umgeladen werden und bei dieser Aktion blieb der Schlüsselbund außen am Auto stecken. Glücklicherweise war er auch Stunden später noch dort, als Nicole, von Susanne alarmiert, dort eintraf. Kurz nach uns traf auch Siobhan ein. Diesmal mit vollständigem Gepäck.

 

Nun konnten wir auch die Mietwagen in Empfang nehmen. Nach diversen Umpackaktionen gelang es uns auch tatsächlich, alle Gepäckstücke in den großen Handschuhfächern im Heck der Autos (Kofferraum genannt) unterzubringen und wir machten uns auf den Weg zum Hostel. In den Folgejahren wählten wir die Mietwagen eine Klasse größer! Während der Zimmerbelegung und der Kücheninspektion trafen dann auch Simone und Bernd ein. Während die Küchenchefin Carola sich um die erste Mahlzeit kümmerte, fanden im Esszimmer größere Umräumaktionen statt. Man konnte es drehen und wenden wie man wollte: Die vorhandenen Tische und Stühle boten einfach nicht genug Platz für alle, so dass wir nicht nur auf das in den Zimmern vorhandene Mobiliar sondern später auch auf die Gartenmöbel zurückgreifen mussten.

 

Unterdessen kreisten in der nächtlich verschlafenen Umgebung von Arklow Thomas und Andy auf der Suche nach dem Hostel umher. Verzweifelte Anrufe zu diversen Handys verdüsterten die Stimmung der beiden beträchtlich, denn sämtliche Handys waren ausgeschaltet oder lagen in den Zimmern, während wir uns unser Essen schmecken ließen. Als sie uns endlich gefunden hatten, startete wieder eine Aus- und Umräumaktion in der Küche und danach wurde unsere Ankunft gebührend gefeiert. Bis auf Familie McM, die erst am nächsten Tag zu uns stoßen wollten und Volker, der mit einer späten Maschine flog, waren alle da. Tatsächlich wurde es fast 3 Uhr, als er endlich eintraf und sich in sein Luxusbett im Sechserzimmer kuscheln konnte. Am nächsten Morgen erfuhren wir dann von seiner Odyssee, die bereits am Flughafen Düsseldorf begann. Die Maschine hatte unterwegs Vögel eingefangen und dadurch einen Triebwerkschaden. Die somit um zwei Stunden verspätete Ankunft in Dublin hatte zur Folge, dass der Schalter der Autovermietung bereits geschlossen war. Nachdem er über die Zentrale doch noch einen Mietwagen auftreiben konnte, folgte er der Wegbeschreibung von Susanne und passierte die erste Brücke, für die er auch das passende Kleingeld hatte. Doch dann ging irgend etwas schief: Wieso war da noch so eine Brücke, die nicht in der Wegbeschreibung stand und für die man Kleingeld brauchte? Und jetzt hatte er auch keines mehr! Weit und breit war kein Mensch zu sehen. Also blieb ihm nichts anderes übrig, als sich einen anderen Weg durch Dublin zu suchen.

 

Als am nächsten Tag Sabine und Austin mit ihren Kindern eintrafen, waren sie völlig genervt, denn auch ihre Reise verlief nicht nach Plan. Für die Fahrt nach Cherbourgh zur Fähre waren wegen des Hängers und vielen Gepäcks statt der üblichen 8 Stunden Fahrzeit 14 Stunden eingeplant. Leider hatten Sie aber unterwegs eine Autopanne und so buchten sie telefonisch die Fähre um, bekamen aber keine Direktfähre nach Irland sondern mussten über England einreisen. Von dort aus wollte man sie allerdings wegen der Maul- und Klauenseuche mit dem Hänger nicht nach Irland einreisen lassen. Nach schier endlosen Diskussionen und viel Geschrei von ihren Kindern Liam und Siobhan verloren die Zöllner schließlich auch die Nerven, der Hänger wurde abgespritzt und Familie McM. konnte ihre Reise fortsetzen. Nun waren wir endlich alle vereint und der Rest des Urlaubs verlief weitgehend ohne Zwischenfälle, wenn auch wegen der nächtlichen Geräuschkulisse in den Mehrbettzimmern nicht ganz störungsfrei.


Wir steppten was das Zeug hielt, machten Ausflüge und hatten unseren Spaß bei geselligen Abenden mit Siobhan in Arklows Pubs sowie bei ausgelassenen Spieleabenden im Hostel. Allerdings ließ der Gesang zu wünschen übrig: Während er im ersten Jahr noch eher gospellastig war, verlegte sich der Chor diesmal dank Jörg auf Lieder aus Fernsehserien. Seitdem kann ich das Lied von Biene Maja nicht mehr ausstehen. Das Highlight dieser Reise aber war ein Auftritt in einem Hotel, zu dem wir über die Arklow Youth Marching Band eingeladen wurden.  Bei dieser Veranstaltung präsentierte auch die örtliche Tanzschule ihr Repertoir an traditionellen irischen Tänzen. Man war sehr begeistert davon, deutsche Stepptänzer zu sehen, die nicht wie dort üblich einzeln, sondern als große Gruppe synchron Choreografien tanzten. Anschließend hatten wir das Vergnügen, zusammen mit den Mädels der Tanzschule in ihren wunderschönen Kostümen Ceilis zu tanzen. In diesem Jahr gelang es Siobhan, uns nicht nur neue Reel-Schritte zu vermitteln sondern auch die schöne und bis heute bei allen beliebte Choreografie zur Mouthmusik.

   

Wir trafen auch alte Bekannte wieder: Jorika und  Carsten, die inzwischen ebenfalls ihr erstes Kind erwarteten. Zwischen Training und Ausflügen versuchten wir auch geschäftliches zu erledigen, was allerdings nicht ganz einfach war. Eine Kleingruppe bemühte sich tagelang erfolglos, Schuhbestellungen, -reparaturen und Reklamationen bei Fayes in Dublin abzuwickeln. Leider haben die Gebrüder Fayes dies geahnt. Es war ihnen bis zum letzten Tag gelungen, ihren  Laden immer rechtzeitig zu schließen.


Nach absolviertem Stepworkshop reiste Familie McM. ab, um den Rest ihres Urlaubs bei Austins Familie in Ennis zu verbringen. Dies taten sie aber nicht ohne vorher noch das Handy zu verlieren und einen Koffer in der Ferienwohnung zu vergessen. Auch Simone und Bernd zogen sich für den Rest des Urlaubs in eine Ferienwohnung zurück. So erfuhren wir auch erst daheim von dem letzten Missgeschick der Irland-Tour: Am Abreisetag hatten sie schnell noch den Toaster abgefackelt und zu allem Überfluss wurden sie vor dem Flughafen im Roundabout von einem anderen Auto getroffen. Zum Glück kam es nur zu einem kleinen Sachschaden. Nach dem Einchecken stellten sie dann fest, dass der Flug wegen eines Pilotenstreiks gecancelled wurde und so mussten sie ihr Gepäck wieder abholen, um bei einer anderen Fluggesellschaft an einem anderen Schalter erneut einzuchecken. Zum Thema Auto ist noch zu vermelden, dass Carola einen Außenspiegel eingebüßt hat. Um den Schaden gering zu halten, hat sie dafür die Radkappe wieder eingesammelt, die Jürgen bei einem Ausflug verloren hatte. Auch musste der kleine blaue Kastenwagen umgetauscht werden, da er sich während der Fahrt nicht wie ein Auto sondern eher wie ein vollbeschäftigter Wasserkocher anhörte. Das kostete Susanne und Stefan einen halben Tag: Zwei Stunden Fahrt nach Wexford, eine Stunde Suche nach der richtigen Werkstatt, lange Diskussionen mit dem Verleiher und dann mit dem neuen Auto wieder zurück.

 

Aber eines hat wenigstens in diesem Jahr geklappt: Bei der Versorgung sind wir tatsächlich mit dem Geld ausgekommen. Dies hatten wir vor allem Bernd zu verdanken, der uns täglich darauf aufmerksam machte, dass wir sparen müssen. Außer beim Ketchup - davon hatten wir reichlich. Angesichts der Diskussion, ob man das fast fleischlose Chili noch verlängern sollte und die Linsensuppe ein drittes mal aufgewärmt werden kann, hat er sich dann auch entschlossen, sich überwiegend von Brot und Wasser zu ernähren. Und das spart ungemein! Beim Frühstück entstand auch immer großer Futterneid und einige entkamen nur knapp dem Hungertod, während die frischen Toastscheiben auf dem Weg zu ihnen in die falschen Hände gerieten. Die Wasserknappheit des ersten Wochenendes haben auch alle überlebt und am Ende war noch reichlich von diesem ekligen Fruchtsaftkonzentrat da, das jemand beim Einkaufen versehentlich mit Limonade verwechselt hatte. Die übriggebliebenen haltbaren Lebensmittel haben auch noch einen Teil der Versorgung der späteren Vereinsreise im Frühjahr 2002 nach Robertville abgedeckt.

 

 

Aber da nicht jeder Urlaub wie der andere ist, freuen wir uns jetzt schon wieder auf die nächste Irland-Tour.

Same procedure as last year.