Vierte Irlandreise

September 2003. Unsere Irlandreise führte uns diesmal nördlicher: Das Ziel war Sligo. Ein Teil der Gruppe begann die Reise mit einem einwöchigen Urlaub. Michaela, Thomas und Sebastian machten zunächst eine Rundreise auf eigene Faust durch den Norden und Nicole, Susanne und Siobhan wollten erst in Sligo dazustoßen. Die größte Gruppe zog es jedoch in den Süden, weil es uns dort im letzten Jahr so gut gefallen hatte. Heike und Rudi fanden im Vorjahr bei einem privaten Urlaub im Süden einen wunderschönen kleinen Reiterhof bei Kenmare, der für uns perfekt war, weil er Platz für genau 12 Personen hat. Dort quartierten wir uns ein: Gudrun und Manfred mit ihren Kindern Carina und Kai, Heike und Rudi mit ihren Töchtern Svenja und Verena sowie Andrea und Stefan, Jürgen und ich. Wir hatten eine wunderschöne Zeit und viel Spaß bei unseren Ausflügen, die uns durch den Killarney Nationalpark, über den Ring of Beara, durch verwunschene Wälder und an riesige Wasserfälle führte. Auch die Stepshow „Magic of the dance“ im Gleneagle-Hotel stand wieder auf dem Programm.

 

Bei einem Ausflug fuhren wir bis zur Spitze von Cod`s Head. Auf die Überfahrt zur Insel Dursey Island mit der Cable Car zichteten wir dann aber doch. Das war uns zu suspekt, zumal es an dem Tag dort unten sehr windig war. Auf dem Rückweg hatten wir Hunger, fanden aber in dieser einsamen Gegend keine Lokalität, die geöffnet hatte. Durch Zufall kamen wir an einem kleinen Wohnhaus vorbei, das nicht wie eine Gaststätte aussah aber auf einer Tafel an der Hofeinfahrt wurden Kuchen und kleine Snacks angeboten. Dort lernten wir Gastfreundschaft der besonderen Art kennen: Auf unsere vorsichtige Anfrage, ob wir mit 12 Personen dort tatsächlich speisen könnten, brach eine für Irland untypische Geschäftigkeit aus. Wir wurden von einer bereits etwas betagten Dame in den Garten geführt,  alle Sitzgelegenheiten wurden zusammengetragen und grob gereinigt, während bereits Kaffee, Tee und Kakao kochten. Nebenher zauberte sie die Erfrischungsgetränke und ersten Brote mit Lachs und Käse auf den Tisch. Sogar Suppe wurde serviert und immer wieder kam eine neue Kanne frisch gebrühter Kaffee auf den Tisch und noch mehr Brot mit Lachs und Käse. Die Dame sah inzwischen ziemlich aufgelöst aber auch stolz und glücklich aus und als wir mit dem Essen fertig waren, nahm sie sich Zeit für eine Unterhaltung. Dabei erfuhren wir, dass sie das alles alleine bewerkstelligt hatte und inzwischen ausgegangene bzw. von vornherein nicht vorhandene Lebensmittel ganz fix in der Nachbarschaft organisiert hatte, um uns versorgen zu können. Sogar ein frisch aufgebackener Apfelkuchen war dabei. Da die Gegend dort sehr einsam ist, fahren die Leute einmal wöchentlich bis zu 100 km weit in einen Ort, der eine Aldifiliale hat und tätigen dort ihren Großeinkauf. Wenn dann jemandem bis zum nächsten Einkauf etwas ausgegangen ist, wie es durch unsere gefräßige Gruppe passiert ist, wird durch einen Anruf in der Nachbarschaft abgerufen, was noch zur Verfügung steht.

 

In Bezug auf die Verpflegung außer Haus machten wir besondere Erfahrungen. Dass das auswärts Essen in Irland sehr teuer ist, wussten Jürgen und ich bereits von unserem ersten privaten Irlandurlaub, die meisten anderen wurden jedoch zum ersten mal damit konfrontiert. So ärgerte sich Gudrun z.B. lange Zeit darüber, dass sie in einer Pommesbude für einfache Currywurst bzw. Schaschlik mit Pommes und je einem Getränk für 4 Personen 45 Euro bezahlen mussten. Eine ähnliche Erfahrung machten wir bei einem Abendessen in einem Chinarestaurant. Als wir noch unschlüssig am Eingang die Speisekarte mit den Preisen studierten, kam der Besitzer heraus und bot uns die Gerichte zum Preis der Mittagskarte an, weil wir so viele Personen waren. Daraufhin kehrten wir ein. Wir dachten uns auch nichts dabei, als wir bei der Bestellung gefragt wurden, ob wir Beilagen wünschten. Die Überraschung kam dann beim Bezahlen. Das preiswerte Mittagsmenü war der reine Hauptbestandteil wie z.B. Sparerips oder Hähnchencurry. Jede Beilage wie Reis, Nudeln oder Gemüse kostete dann je 5 Euro extra! Also: Augen auf und vorher nachgefragt, bevor man bestellt. Jürgen und ich hielten uns fortan strikt an die Devise unseres ersten Irlandurlaubs: Esse entweder in einem Pub das Tagesgericht oder suche ein Cafè oder ähnliches, das Baguettes auf der Speisekarte hat. Diese sind groß, reichlich belegt und werden mit Salatbeilage serviert, so dass tatsächlich zwei Personen mit normalem Appetit von einer Portion Baguette satt werden. Das ist preiswertes Essen und allemal besser als Essen aus der Pommesbude oder Kuchen. Denn Stefan hat z.B. einmal für ein Stück Apfelkuchen mit Sahne genau so viel bezahlt, wie wir für unser Baguette und ist dabei noch nicht mal satt geworden.

 

Auf dem Reiterhof wurde uns die Möglichkeit geboten, für das Abendessen die kleine Nebenküche zu benutzen. Dort konnten wir uns einfache Gerichte wie Suppe oder Nudeln kochen oder einfach nur Brote zubereiten. Der Reiterhof gefiel uns sehr gut. Die Zimmer sind einfach und klein aber sauber und gemütlich und mit 3 Badezimmern sind wir auch gut zurecht gekommen. Das Frühstück ist dort sehr umfangreich und lecker und auch die Atmosphäre ist sehr angenehm. Das Haus hat einen richtig großen Aufenthaltsraum mit Essbereich. Beim Essen sitzt man am Panoramafenster mit Blick in den Garten, der an einen Bach grenzt und abends lümmelt man sich in riesige Sitzgarnituren vor den Kamin, der von den Besitzern jeden Abend ordentlich eingeheizt wird. Gemütlicher geht es nicht. Das ist Erholung pur. An mehreren Abenden spielten wir „Ich packe meinen Koffer und nehme mit...“. In dieser geselligen Runde vor dem warmen Kamin mit vier aufgeweckten Teenagern war das Spiel immer der Hit und blieb lange Zeit Gesprächsthema.

 

Immer in Erinnerung bleiben wird uns auch der Ausritt. Carina und Svenja waren sowieso fast jeden Tag mit den Pferden unterwegs. Eines Abends verkündete Gudrun nach einem Glas Wein, dass sie auch gerne reiten würde und auch Heike wollte es gerne ausprobieren aber natürlich nicht allein. Da ich als Kind bereits „einschlägige“ Erfahrung mit Pferdehufen gemacht hatte und mich seit dem nur noch außerhalb ihrer Reichweite aufhalte, war ich nicht so begeistert. Nachdem auch Stefan zum Reiten genötigt wurde, setzten wir das Vorhaben am nächsten Tag dann doch in die Tat um. Für mich wurde das kleinste und bravste Pferd ausgesucht und mit Rudi als Schutzschild traute ich mich dann doch, aufzusitzen. Einmal oben war dann alles in Ordnung und nach ein paar Runden auf dem Reitplatz ging es in Begleitung des Besitzers und einer weiteren Begleitperson über das Gelände, eine Straße entlang und in den Wald. Das war einfach herrlich, denn mit sicherem Tritt brachten die Pferde uns bergauf und bergab bis zu einem See, in den sie auch hineinliefen, um sich zu erfrischen. Nach einer kurzen Rast kehrten wir dann zurück zum Hof und alle waren glücklich und zufrieden mit dem Tag.

 

Ein bisschen traurig waren wir dann auch, als diese harmonische Woche zu Ende war und wir nach Sligo aufbrechen mussten. Gerne wären wir länger geblieben aber nun folgte die Steppwoche und das Zusammentreffen mit Michaela, Thomas, Sebastian, Nicole, Susanne und Siobhan und darauf freuten wir uns natürlich auch. Wir hatten dort zwar wieder ein großes Hostel mitten in der Stadt aber diesmal war es sehr ordentlich mit einer wunderbaren, sehr gepflegten Hightechküche. So gepflegt, dass Gudrun, die in diesem Jahr unsere Küchenchefin war, Angst bekam. Jeden Morgen nach der Frühstückszeit wurde die Küche geschlossen und von einer Putzfrau gründlichst gereinigt. Erst ab 11 Uhr wurde sie wieder zur Benutzung freigegeben und Gudrun befürchtete schon, das Essen nicht rechtzeitig auf den Tisch zu bekommen. Aber dank des reibungslos funktionierenden DKT, in dem ihr Thomas, Rudi und Jürgen zur Hand gingen, brachte Gudrun wahre Meisterleistungen zustande. Schließlich hatte sie sich zu Hause gut vorbereitet und verschiedene gesunde, reichhaltige und preiswerte Rezepte ausprobiert. So hatten wir täglich sehr ausgewogene Mahlzeiten mit viel frischem Gemüse und Salaten. Sogar Nachtisch gab es. Aus den Resten des Mittagessens zauberte Gudrun für abends noch verschiedene kalte Häppchen und Salate. Jeder Ernährungsexperte wäre begeistert gewesen. 

 

In diesem Jahr machten wir wenige Ausflüge in der näheren Umgebung von Sligo, weil auch die Stadt selbst viel zu bieten hat. Aber wir besichtigten Herrenhäuser, wanderten zum Slieve League in der sehr beeindruckenden Klippenlandschaft der Killybegs, den man nur zu Fuß erreicht und besuchten eine riesige Tropfsteinhöhle. Dafür stand öfter ein ausgiebiger Stadtbummel in Sligo auf dem Programm sowie abendliche Besuche in den Pubs. Eine Attraktion war auch der Sonnenuntergang, für den manche von uns für eine lange Zeit dick eingemummelt in den Dünen saßen, aufs Meer hinausstarrten, viele Fotos machten und halb erfroren wieder ins Hostel zurückkehrten, um sich mit viel heißem Tee oder Kakao mit Schuss wieder aufzuwärmen.

 

Gesteppt wurde diesmal in einer Turnhalle, wo Siobhan für uns eine anspruchsvolle Choreografie zu einer Musik bastelte, die vom Jig-Rhythmus über Reel zum Slipjig wechselte und die sie Kelloggs-dance taufte. In den Pausen öffneten wir die Türen, weil es sehr warm war und die jüngsten, Verena und Kai hielten sich dann gerne draußen auf. Das hatte aber zur Folge, dass sie prompt von Polizisten angesprochen wurden, warum sie nicht in der Schule sind. Tja, in Irland passt man eben noch auf die Jugend auf.

 

Nur Svenja langweilte sich etwas, weil sie nicht mitsteppen konnte und Lebensmitteleinkauf auch nicht gerade zu den favorisierten Tätigkeiten gehörte. Zu allem Überfluss hatte sie in der Woche auch noch ihren 15. Geburtstag und Heimweh, weil ihr Freund bei der Irlandreise nicht mit dabei war. Zu ihrem Geburtstag gab es einen Kuchen mit einer Kerze in Form einer 15 darauf. Das war ganz praktisch, denn die Kerze wurde ja schnell ausgepustet und konnte dann am nächsten Tag noch einmal verwendet werden. Jürgen und ich hatten unseren 15. Hochzeitstag. Also gab es noch einmal Kuchen mit der noch gut erhaltenen 15-Kerze drauf. Das Highlight war aber ein Abend im Aufenthaltsraum, an dem es sich ausser uns auch einige andere Gäste mit Wein und Whisky gemütlich gemacht hatten. Wir saßen dort bei Kerzenschein. Siobhan holte ihre Querflöte heraus und spielte eine Melodie, zu der Verena, sehr zur Freude der anderen Hostelgäste in Softshoe die eben gelernten Schritte tanzte. Im Laufe des Abends wechselte Siobhan zur Fiddle und Verena versuchte auf der Tinwhistle die Melodie mitzuspielen. Davon inspiriert suchte ich in Ermangelung einer echten Bodhran in der Küche einen Pappkarton und Kochlöffel und trommelte den passenden Rhythmus dazu. Das rief dann auch den Rest der Hausbewohner mitsamt Hostelbesitzer auf den Plan. Alle gesellten sich mit glänzenden Augen dazu, machten Fotos und hatten ihre helle Freude. So hatten wir unplanmäßig vielen Leuten einen wunderschönen Abend beschert.

 

Diese Irlandtour ging übrigens auch als das „Shopping-Jahr“ in die Vereinsgeschichte ein. Dank der vorangegangenen Irlandtouren kannten wir uns nun aus und fanden die besten Souveniershops. Immer auf der Jagd nach Accessoirs mit unserem Vereinslogo, egal ob Schmuck, T-Shirts, Kerzen oder Kugelschreiber –  kauften wir alles, auf dem unser Logo zu sehen war. Diese Irlandreise war die bisher harmonischste und abwechslungsreichste und bis auf Svenja waren alle traurig, als wir wieder nach Hause mussten.

 

Und so freuten wir uns schon darauf, die nächste Irlandreise zu planen.

Same procedure as every year.