Siebte Irlandreise

 

Weil es uns allen im Südwesten Irlands so gut gefallen hat, war wieder Kenmare am Ring of Kerry das Reiseziel im Oktober 2009. Leider hatte der kleine Reiterhof bereits Feriengäste, so dass wir dort nicht mit 12 Personen unterkommen konnten. Da inzwischen auch die Pferdehaltung abgeschafft wurde, waren wir aber nicht allzu traurig, dass wir nach einer anderen Unterkunft suchen mussten.

 

Von Aishling, der Managerin des Irish Pub in Moers, bekamen wir den Tipp, Ferienhäuser zu mieten. So kamen wir zu einem wunderschönen Doppelhaus in einer Feriensiedlung. Beide Wohnungen sind sehr geschmackvoll eingerichtet und verfügen über je 3 Schlafzimmer, zwei Bäder, eine Gästetoilette, ein Wohnzimmer, eine Küche mit großem Essbereich, einem Wirtschaftsraum mit Waschmaschine und Trockner sowie einem kleinen Gärtchen. Wir durften sogar das Esszimmermobiliar und Geschirr aus der einen Wohnung in die andere räumen und hatten dadurch die Möglichkeit, gemeinsam zu kochen und zu essen. 

 

In diesem Jahr wurde es ein reiner Urlaub ohne Training. Zwar hatten wir unsere Softshoes dabei, um einige Schrittkombinationen aufzuarbeiten, falls das Wetter schlecht sein würde. Aber dazu sollte es nicht kommen, denn wir hatten den ganzen Urlaub über bestes Wetter und dann gab es noch eine Überraschung für uns. Die Schlüsselübergabe für die Ferienhäuser fand im Irish Pub statt. Rudi brachte dann mit den Schlüsseln auch die Information mit, dass dort am nächsten Abend traditioneller Tanz zur Lifemusik stattfinden würde. Also gingen wir  natürlich hin; allerdings handelte es sich mehr um einen Tanzabend für die ältere Bevölkerung und die Lifemusik war ein älterer Herr mit Akkordeon. Er spielte zum Setdance auf und zwischen den Setdance-Blöcken normale Tanzmusik. Einer der anwesenden Herren freute sich so sehr, neue Gesichter zu sehen, dass einige Damen unserer Tanzgruppe öfter zum Tanzen kamen, als ihnen lieb war. Beim Setdance zuckte es denjenigen von uns, die setten können dann in den Füßen und so erkundigte ich mich, ob die Möglichkeit besteht, mit zu setten wenn ein Caller die Figuren ansagt. Nach kurzer Rücksprache erhielten wir stattdessen die Einladung für einen Workshop am nächsten Abend. Dort stellten wir fest, dass wohl niemand ernsthaft mit uns gerechnet hat, denn als der an der Theke sitzende Setdancelehrer unsere Horde hereinkommen sah, trank er sein Bier aus, zahlte und ging!

 

Wir bestellten dann erst mal Getränke und taten so, als ob wir einfach nur mal so auf ein Bierchen da wären. Nach einer Weile kam der Lehrer dann doch zurück, orderte ein neues Getränk und gesellte sich zu uns. Nach Klärung der Sachlage nahm er uns mit in den Tanzraum, wo sich dann noch zwei Frauen, darunter die Trainerin der Setgruppe,  einfanden. Anscheinend hatte er sich überfordert gefühlt und auf seiner „Flucht“ telefonisch versucht, noch ein paar Tänzer zusammen zu bekommen, die ihn unterstützen könnten. Dank unserer Teilnahme an Workshops mit Patrick o`Dea konnten wir aber unter Beweis stellen, dass wir tatsächlich setten können. So legte sich die anfängliche Skepsis des Lehrers schnell und wir kamen so gut zurecht, dass wir am Ende sogar richtig komplizierte Figuren besser hinbekamen, als zwei inzwischen hinzugekommene Frauen seiner eigenen Setgruppe. Mittlerweile hatte sich das herumgesprochen und es kamen immer mal ein paar Zuschauer und weitere Setdancer herein. Man konnte auch allen Beteiligten die Freude am Tanzen ansehen und so hatten alle einen Vorteil daraus.

 

  

Natürlich wollten sie auch sehen, was wir sonst noch können. Besonders angetan waren sie von unserem  Linedance. Den wollten sie lernen, blieben aber nach ein paar Versuchen doch lieber beim Setdance. Bei dem abschließenden Gespräch stellte sich heraus, dass wir es hier mit dem „Local Hero“ Davy Breen zu tun hatten, der am Tanzabend mit seiner Setgruppe nicht anwesend war, weil sie an einer Talentshow teilgenommen hatten, die am nächsten Abend im Fernsehen übertragen wurde. Es folgte eine Einladung für diesen Abend zu einem Workshop in einem weiter entfernten kleinen Ort und fieberhaft organisierten sie einen Transfer. Der Wirt dieses Pubs hatte während des Settens einige Anrufe getätigt,  so dass auch hier etliche Zuschauer kamen: vor dem Haus parkten inzwischen 14 Autos. Alle wollten Davy Breen und seine german dancers sehen. Nach diesem Workshop war es dann aber genug für uns - schließlich hatten wir noch andere Pläne für unseren Urlaub. Dafür waren wir aber jetzt im Ort bekannt und hatten neue Freunde gewonnen.

  

Es wurde ein richtig schöner Urlaub mit ausgiebigen Wanderungen. Manche Wandertour dauerte allerdings mangels Beschilderung der Wege oder durch die Suche nach Steinkreisen, die wir nicht fanden, durchaus mal etwas länger. Probleme gab es dann schon mal, wenn alle auf einmal zur Toilette mussten und in abgelegeneren Gegenden an kleinen Ausflugsstandorten nur eine Toilette vorhanden war. Auf einem Ausflug hätten wir dann beinahe noch Regina verloren, denn auch in Irland heißt es: Bauer sucht Frau. Beim Fotografieren einer Schafherde bekam sie es mit einem sehr aufdringlichen Schäfer zu tun, der sie nach allen Regeln der Kunst ausfragte und ihr trotz Begleitung mehrerer Männer mit Nachdruck einen Heiratsantrag machte. Nur gesungen hat er nicht. Ob sie deshalb nein gesagt hat?....

 

Bei strahlendem Sonnenschein gehörten zu den Highlights unter anderem ein Ausflug mit einem spontanen Picknick auf der Strandpromenade von Waterville, für das wir aus dem Supermarkt zwei große Grillhähnchen, Baguettes und Cheddarkäse gekauft hatten, sowie eine Fotowanderung auf einem abgelegenen Pfad  am Ring of Kerry. Da in einer so großen Gruppe aber immer mal jemand keine Lust auf Ausflüge hat sondern lieber ausruhen oder spielen mochte, kamen alle auf ihre Kosten. Während z.B. viele den Healy-Pass ein zweites mal abfahren wollten, machten es sich die Spieler mit vom Vortag übrig gebliebenen Pfannkuchen gemütlich und hatten so viel Spaß beim Phase 10 spielen, dass die zum Tränentrocknen benutzten Haushaltstücher anschließend demonstrativ auf die Leine gehängt wurden. Heidis Strickzeug dagegen kam nur gelegentlich mal vor dem Frühstück zum Einsatz.

 

 

Auch die Abende waren sehr unterhaltsam, denn fast täglich fanden in einem der Pubs Musik-Sessions statt und auch das Hotel bot Tanzshows mit Lifemusik, so dass wir es richtig schwer hatten, an den noch verbleibenden Abenden alles wahrzunehmen, was uns interessierte. Nach der Heimkehr gab es in der Ferienwohnung bis tief in die Nacht hinein Black Storys bei Absacker und Knabberzeug. Nach einer Weile endeten die Vorgaben der Black Storys dann schon immer mit dem Hinweis, ob es sich um einen Unfall handelte, weil von Regina immer, noch bevor jemand anderes den Mund aufmachen konnte, wie aus der Pistole geschossen die Frage kam: war es ein Unfall? Am vorletzten Morgen wurden wir Frauen von den Männern unserer Gruppe mit einem ganz tollen Frühstück verwöhnt: Sie bereiteten für 12 Personen ein Full Irish Breakfast zu, wobei sogar noch Sonderwünsche erfüllt wurden und es hat fantastisch geschmeckt. Respekt. Übrigens war das Einkaufen der Lebensmittel im Supermarkt immer total spannend und für die Kassierer und Kunden in der Schlange an der Kasse sehr amüsant!

  

Für die letzte Übernachtung hatten wir ein B&B zum Sonderpreis ohne Frühstück in Flughafennähe gebucht, damit wir nicht mitten in der Nacht unsere Wohnungen räumen mussten. So konnten wir am letzten Urlaubstag nach dem Frühstück in Ruhe aufräumen, die Autos beladen und auf dem Weg nach Shannon noch einen Abstecher auf die Halbinsel Dingle machen. Dort haben wir in einem kleinen Lokal am Hafen ganz hervorragend gespeist und bereut, dass wir zu wenig Zeit hatten, die wunderschöne Landschaft Dingles ausgiebig zu genießen. Prompt kam die Frage auf, ob wir nicht im nächsten Jahr noch einmal „dinglen“ könnten. Am Abend im B&B wurden noch die letzten Black Story-Fälle gelöst und ein Teil der 2 Kartons mit übrig gebliebenen Lebensmitteln vertilgt. In einem Karton sammelten wir alles, was wir für ein Frühstück und den Heimflug mitnehmen wollten. Bis auf die Cola und Milch – davon hatten wir im Überschwang zu viel gekauft und somit waren noch mehrere Liter davon übrig. Aber die Besitzerin des B&B hatte sich bereit erklärt, dass wir diese gerne für sie stehenlassen könnten. Wie wir am nächsten Morgen feststellen mussten, hatte sie jedoch gleich alles konfisziert mitsamt unserer Wegzehrung. Da waren wir dann doch etwas perplex. 

In diesem Urlaub wurde der Entschluss gefasst, künftig die Workshops „zu Hause“ zu machen, um die Irlandtour als reinen Urlaub genießen zu können und auf jeden Fall wieder Ferienwohnungen zu mieten. Seitdem findet auch einmal im Monat ein gemeinsamer Spieleabend statt. Abschließend ist noch zu erwähnen, dass Stefan, Andrea, Astrid, Michaela und ich während dieser Irlandtour ein besonderes Jubiläum hatten: Wir waren seit dem ersten Tag des Schnupperkurses im Oktober 1999 dem irischen Steptanz in dieser Gruppe treu!