Plätzchenbacken im Verein

Seit 2008 hat sich bei uns auch das kollektive Plätzchenbacken in der Vorweihnachtszeit etabliert.

Man trifft sich an einem Adventsonntag nach dem Frühstück in der Gastgeberküche und jeder bringt ein oder zwei  Plätzchenrezepte, die entsprechenden Zutaten und Backutensilien mit. Während einige noch Rezepte vergleichen oder Zutaten tauschen, sind die ersten Bäcker bereits mit Zutaten abwiegen und Teig anrühren beschäftigt und die Gastgeberin schafft noch fehlende Utensilien herbei. Es sind auch immer  ein oder zwei Plätzchensorten dabei, die ohne Ruhezeit gebacken werden können, möglichst immer zwei bis drei Bleche auf einmal. Inzwischen können dann weitere Bleche bestückt werden.

 

Wenn die Bäcker sich warm gearbeitet haben, wird auch der Backofen auf Betriebstemperatur gebracht. Wegen der kurzen Backzeit geht es zu wie am Fließband. Damit die Backstraße nicht ins stocken kommt, hilft jeder mit, der nicht gerade Teig herstellt. Die Bleche kommen aus dem Ofen zum Abkühlen auf Gitter nach draußen und die nächsten Bleche in den Ofen. Weil diese bald wieder benötigt werden, müssen bereits abgekühlte Plätzchen zur Verzierung auf einem Arbeitstisch zwischengeparkt und gleichzeitig dafür gesorgt werden, dass wieder ausgestochene Plätzchen aufs Backpapier kommen.

  

Die Bäcker sind nun richtig in Fahrt gekommen. Die ersten ziehen die Pullover aus - weiter geht’s im T-Shirt. Frieren tut hier keiner mehr! Fleißige Hände kleben Doppelplätzchen mit Marmelade zusammen, tragen Zuckerguss oder Schokoladenglasur auf und karamellisieren Walnüsse. Zur Lagerung der fertigen Plätzchen wird auf dem Wohnzimmerboden eine Ecke frei geräumt und mit Papier ausgelegt. „Braucht jemand Eiweiß? Ich hab hier welches übrig.“  „Was meint ihr, soll ich die andere Hälfte von den Plätzchen lieber mit Schokolade verzieren? Dann hab ich aber zu viel Nougat übrig.“ „Probier mal meine Plätzchen. Ich finde, die könnten süßer sein.“ „Hat noch jemand Aprikosenmarmelade? Meine ist alle.“

 

Inzwischen liegen die ersten Plätzchen zur Weiterverarbeitung bereit und den Bäckern wird immer wärmer. Der heiße Wachmacherkaffee wird von kalten Getränken abgelöst. „Kann mir mal einer noch Mehl geben? Ich hab grad klebrige Hände.“ „Welche Schüssel kann ich zum Schokoladeschmelzen nehmen?“ „Im Ofen werden gerade Plätzchen braun !“ „Oh sch… kann die mal schnell jemand rausnehmen?“ „Wo sind denn die Gitter?“ „Draußen, aber da stehen noch volle Bleche drauf.“. Jetzt muss es schnell gehen: Alle, die freie Hände haben, jonglieren die heißen Bleche an den Teigherstellern vorbei, jemand räumt die Gitter leer und bringt die abgekühlten Bleche zum Arbeitstisch, wo ein anderer das Backpapier samt fertiger Plätzchen von den Blechen zieht. Puh … das ist gerade noch mal gut gegangen! Und in diesem Chaos wird gespült und umgeräumt, Zutaten abgewogen, Abfall entsorgt und schon wieder gespült.

 

 

Man merkt: Die meisten Plätzchensorten sind bereits abgebacken. Ein Blick auf die Uhr: oh, schon 15 Uhr! Wie weit sind wir eigentlich? Die ersten Bäcker melden auch schon Hunger und Appetit auf was Herzhaftes an. Kochen ist natürlich nicht drin. Also wird Essen bestellt und nachgesehen, was noch zu backen ist, um die benötigten Zutaten bereitzustellen. Was nicht mehr gebraucht wird sowie ungeöffnete Packungen werden weggeräumt, angebrochene und übrig gebliebene Zutaten gesammelt. Gleichzeitig wird schon mal der Boden gefegt, alles zusammengetragen was gespült werden muss sowie Tische und Arbeitsflächen abgewaschen.

 

Dann gibt es erst mal eine große Pause zur Stärkung und es wird überlegt, was man evtl. noch aus den Resten machen kann. Danach folgt der Endspurt. Während eine Bäckerin mit Hilfe einer Assistentin aus den Resten noch was zaubert, werden auf dem Boden bereits die Plätzchen sortiert, gerecht zwischen allen Personen aufgeteilt und in die mitgebrachten Behälter gefüllt. Bei so vielen Bäckern kommt man locker auf 10-15 Sorten Plätzchen, über die sich dann jeder freuen kann. Neben den üblichen Klassikern sind auch immer aufwändige Sorten wie Bratapfelplätzchen und Nougatschiffchen dabei: es sind ja genug Helfer da. Auch Experimentelles ist dabei, an das man sich sonst nicht herangetraut hätte wie z.B. Chiliplätzchen. Und sollte mal eine Sorte nicht gut gelingen, ist das dann nicht weiter tragisch. Der Anblick des Plätzchensortiments, das jeder mit nach Hause nehmen kann, macht die Strapazen des Backens wieder wett.

 

Je nach Durchhaltevermögen der einzelnen Bäcker ist bis zum frühen Abend der Spuk vorbei. Auch die Gastgeber haben jetzt Feierabend, denn alle helfen ja mit, wieder Ordnung zu schaffen. Im nächsten Jahr wird dann eine andere Küche verwüstet. Und mal ehrlich: gemeinschaftliches Backen macht richtig Spaß und man kann Verwandte und Freunde zu Weihnachten mit einer vielseitigen Kostprobe der selbstgebackenen Plätzchen überraschen.